Neue digitale Veranstaltungsreihe - Bildungskongress im Dialog

Teil I: „Wenn wir jetzt nicht aus der Ruhe gebracht sind, wann denn sonst?“ Aufgaben und Herausforderungen von Bildungssystem und Schule aus der Perspektive eines renommierten Soziologen - Gespräch mit Prof. Dr. Armin Nassehi

Termin: 6. Mai 2022
Uhrzeit: 17 Uhr - 18.30 Uhr
Zugang: https://wwu.zoom.us/j/62703987857?pwd=WlMycERQcGh3azF3TTIrYXc5Lzgzdz09
Meeting-ID: 627 0398 7857
Kenncode: 464283

Klimawandel, Corona-Pandemie, nun der Krieg in der Ukraine - angesichts der gegenwärtigen Krisen ist vielen Menschen - das belegen aktuelle empirische Befunde - der Zukunftsoptimismus verloren gegangen, dominieren stattdessen Sorgen, Ängste, Unbehagen.

„Wenn wir jetzt nicht aus der Ruhe gebracht sind, wann denn sonst,“ sagt Prof. Dr. Armin Nassehi. Zugleich stellt er die Frage, „wie die Menschen, wie die Menschheit, wie die Gesellschaft so viel Leid und Problematisches zulassen kann, während sie die Mittel dagegen doch in der Hand zu halten scheint?“ Den Grund dafür sieht er in einer strukturellen Überforderung der Gesellschaft.

Inwieweit trifft eine solche Diagnose auch auf unser Bildungssystem und auf unsere Schulen zu? Welche gesellschaftlichen Funktionen hat das Bildungssystem in einer modernen, liberalen und höchst komplexen Gesellschaft? Welches sind - soziologisch gesehen - die Aufgaben und Ziele von Bildung und Erziehung? Welche Aufgaben hat die Bildungspolitik, welche haben die Schulen, und was können beide jeweils tun, um diese Aufgaben und Zielsetzungen zu erreichen? Und wie können gesellschaftliche und pädagogische Funktionen in Balance gehalten werden?

Im Kern wird es auch darum gehen, inwieweit die Erwartungen an Bildungssystem und Schule realistisch oder doch eher zu ambitioniert sind. Bildung, sagt Prof. Dr. Armin Nassehi, sei der Joker schlechthin, wenn es darum gehe, Ursachen und Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu benennen. Aber ist es letztlich nicht utopisch zu glauben, Bildung und Erziehung könnten den neuen Menschen für unsere spätmoderne Gesellschaft schaffen? Und wenn ja: Wie sollten unsere Schulen die großen Fragen unserer Zeit thematisieren - die Sicherung des Friedens, die Stärkung der Demokratie, der Schutz der Umwelt, die Förderung von Integration und Inklusion, die Reduzierung von Ungleichheit, die Förderung des Individuums, der Umgang mit Digitalisierung- auch in dem Bewusstsein, letztgültige Antworten nicht geben zu können? Inwieweit ist es gerade in Krisenzeiten besonders wichtig, die Potenziale junger Menschen zu heben und die Bereitschaft zu fördern, aktiv Verantwortung zu übernehmen in Politik, Wirtschaft und Kultur?

Diese Fragen wird Burkhard Jungkamp im Gespräch mit Prof. Armin Nassehi erörtern, bevor die Diskussion für alle Teilnehmer*innen geöffnet wird. Wir dürfen gespannt sein, welche Antworten ein renommierter Soziologe, der auch ein erziehungswissenschaftliches Studium absolviert hat, anbietet.

Prof. Dr. Armin Nassehi war Keynote-Speaker am Eröffnungstag des 7. Münsterschen Bildungskongresses im September 2021. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und seit 2012 Herausgeber der Kulturzeitschrift „Kursbuch.“ Von ihm erschienen zuletzt u.a. die auch von einer breiten Öffentlichkeit vielbeachteten Publikationen „Unbehagen. Theorie der überforderten Gesellschaft“ (München 2021), sowie „Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft“ (München 2019). Das „Kursbuch“ vom März 2018 widmet sich dem Thema der Bildung („301 Gramm Bildung“, Kursbuch 193, Hamburg 2018).