Vera Busse

Personenbeschreibung:

Vera Busse ist Professorin für Mehrsprachigkeit und Bildung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie hat an der Universität Oxford in England zu motivationalen Prozessen im Sprachunterricht promoviert und an der Universität Oldenburg zu individuellen Voraussetzungen und schulischer Förderung sprachlichen und interkulturellen Lernens habilitiert. Sie sucht nach innovativen Wegen, sprachliches Lernen sowie relevante Einstellungen fächerübergreifend zu unterstützen und Lehrkräfte besser auf sprachliche und kulturelle Diversität im Unterricht vorzubereiten. Ein Fokus ihrer aktuellen Forschung liegt auf der Förderung von Schreibkompetenz durch Feedback.

Abstract:

Diversitätssensibles formatives Feedback zur Schreibförderung: Empirische Befunde und praktische Implikationen für den Unterricht 

Die Wichtigkeit von Feedback zur Förderung von Lernenden hat in den letzten Jahren, u.a. auch vor dem Hintergrund der breit diskutierten Hattie-Studie, verstärkt an Aufmerksamkeit gewonnen. Damit aus Informationsweitergabe wirklich lernförderliches Feedback wird, muss Feedback Lernende kognitiv aktivieren. Aber wie können Rückmeldungen so gestaltet werden, dass sie die Lernenden wirklich zu einer Auseinandersetzung mit den dargebotenen Informationen anregen und die Lernenden diese Informationen zur Verbesserung der Leistung auch nutzen? Wie können Rückmeldungen auch zeitökonomisch in den Fachunterricht eingebaut werden? Um diese und andere Fragen soll es in dem Vortrag gehen, der einen Fokus auf Feedback zur Schreibförderung legt.

Im Zuge der Diskussionen um die Ergebnisse der großen Leistungsstudien wurde in den letzten Jahren überwiegend der Blick auf Fördermaßnahmen im Bereich des Lesens geworfen, wobei der Entwicklung und Förderung von Schreibkompetenz vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zuteil geworden ist. Auch fortgeschrittene Lernende haben jedoch häufig große Probleme beim Schreiben von zusammenhängenden Texten und brauchen fachübergreifende Unterstützung. Lernwirksam ist diesbezüglich formatives Feedback, d.h. Feedback im Lernprozess. Zur Etablierung einer formativen Feedbackkultur im Unterricht werden im Vortrag zunächst allgemeine Prinzipien lernförderlichen Feedbacks genauer dargestellt. Anschließend wird exemplarisch illustriert, wie formatives Feedback gezielt zur Schreibförderung in sprach- und geisteswissenschaftlichen Fächern eingesetzt werden kann. Da die Forschungsbefunde immer wieder deutlich machen, dass Feedback an die unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden angepasst werden muss, wird anhand von Praxisbeispielen und Fortbildungsinhalten aus unserem Projekt welikefeedback.de aufgezeigt, wie ein diversitätssensibles formatives Feedback dazu beitragen kann, produktiv auf Vielfalt im Unterricht einzugehen. Dabei wird primär der sprachliche Hintergrund und unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen der Lernenden in den Blick genommen. Insgesamt wird dabei deutlich, dass es nicht einfach um ein Mehr an Feedback geht, sondern eher darum, wie Feedback aufgebaut und implementiert wird. Abschließend soll gemeinsam diskutiert werden, welche Implikationen sich für die Unterrichtspraxis vor dem Hintergrund gängiger Feedbackpraktiken im Unterricht ergeben.