Isabell van Ackeren

Personenbeschreibung:

Isabell van Ackeren ist Professorin für Bildungssystem- und Schulentwicklungsforschung an der Universität Duisburg-Essen und leitet in der Fakultät für Bildungswissenschaften die Arbeitsgruppe Bildungsforschung, die sich u.a. mit sozialen Disparitäten im Bildungssystem und dem Umgang von Bildungsinstitutionen mit herkunftsbedingter Heterogenität sowie mit Schulsteuerung und Educational Governance, auch international vergleichend, in verschiedenen Projekten der Grundlagen- und entwicklungsorientierten Forschung befasst. Dabei spielen auch Fragen der Implementation und des Transfers eine zentrale Rolle. Zu ihren aktuellen Projekten gehören u.a. die wissenschaftliche Begleitung von „Schule macht stark“ und des Schulversuchs Talentschulen NRW sowie die Leitung des Projekts „Professionalisierung für Vielfalt“ in der Qualitätsoffensive Lehrerbildung.   

Abstract:

Schulen in sozial herausfordernder Lage: Chancen und Grenzen aktueller Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur potenzialorientierten und nachhaltigen Schul(struktur)entwicklung

Mittlerweile gibt es bundesweit (z.B. Schule macht stark) und in verschiedenen Bundesländern (z.B. Talentschulen NRW) einige großangelegte, auch wissenschaftlich begleitete Programme zur Entwicklung von Schulen, die sich in sozialräumlich herausfordernden Kontexten befinden. Ihnen sind verschiedene Projekte vorausgegangen, die teils durch Stiftungen ermöglicht wurden und auch an länger vorliegende internationale Erfahrungen anknüpfen (z.B. Potenziale entwickeln – Schulen stärken). Hier zeigten sich bereits zentrale Herausforderungen und Ansatzpunkte für eine kontextsensible, ungleichheitsreflexive und design-basierte Schulentwicklung und darauf bezogene Forschung, auch um Lernumwelten im Sinne der Stärkung von Bildungsgerechtigkeit evidenzbasiert zu verändern und in Schule vorhandenen Defizitperspektiven auf die Lebenswelt junger Menschen zu überwinden.

Im Beitrag wird der Blick auf Möglichkeiten der Analyse und des Abbaus von Bildungsbarrieren an Schulen in sozialräumlich deprivierten Kontexten am Beispiel der genannten Projekte gerichtet, wobei die Stärkung von Schulentwicklungskapazität und in diesem Zusammenhang insbesondere auch das Führungshandeln eine zentrale Rolle spielen. Die Anlage der Bund-Länder-Programme und Schulversuche lässt auch nach dem Verhältnis von Praxis, Administration und Wissenschaft fragen, das zunehmend einer ko-konstruktiven Logik folgen soll, was sich als voraussetzungsreich erweist. In diesem Zusammenhang ergeben sich auch Fragen für die Lehrkräfteprofessionalisierung, im Rahmen derer Hochschulen nicht nur in der forschenden, sondern auch in der ausbildenden Rolle zentrale Akteure sind. Abschließend wird diskutiert, inwiefern langfristig angelegt Projektvorhaben nachhaltige Change-Prozesse in den Schulen sowie grundsätzliche Strukturveränderungen im Schulsystem, etwa im Bereich der differenzierten Ressourcenallokation, tatsächlich befördern können oder notwendige Entscheidungen eher zeitlich verschieben. 

Im Beitrag wird somit vor dem Hintergrund des Forschungsstands zu Schulen in sozial herausfordernden Lagen ein Überblick über aktuelle Projektentwicklungen und damit verbundene Anliegen vor allem auf der System- und der organisationalen Ebene von Schule gegeben, deren Potenzial für nachhaltige Entwicklungen kritisch beleuchtet wird.